Diskussion, Zeitgeschehen
Der Fall Elif Eralp: Was wird aus Berlin? Der Weg zur Regierungsbildung in Berlin ist um eine Volte reicher. Auslöser dafür ist ein PRDebakel der Linken-Politikerin Elif Eralp mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel, in dem sie Angst vor radikalen Pro-Palästina-Aktivisten geäußert haben soll. War es korrekt, dass der Spiegel die persönlichen Anmerkungen veröffentlicht hat? Jenseits dessen stellt sich die Frage: Ist Eralp für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in Berlin geeignet? Hat sie die Autorität und die Durchsetzungskraft für Sicherheit zu sorgen, wenn ihre Parteikollegen ausgerechnet mit Mitgliedern aus der Szene enge Kontakte pflegen? Wie groß ist das Problem der organisierten Kriminalität in der Hauptstadt, muss man sich ernsthaft Gedanken um das Gewaltmonopol des Staates machen? Seit Wochen steht Eralp in der Kritik, nicht entschieden genug gegen Parteimitglieder vorzugehen, die mit Vertretern von Clankriminellen und palästinensischen Terrororganisationen Verbindung haben. Die drei Parteien hatten sich bei ihren Sondierungsgesprächen auf eine klare Abgrenzung von jeder Form von Antisemitismus geeinigt, bei Verstößen sollte ein Parteiausschluss folgen. Noch immer ist offen, was mit der Abgeordnete Vanessa Emde passiert, die das Existenzrecht Israels indirekt in Frage stellt. Das belastet das Verhältnis der potenziellen Koalitionspartner untereinander. Umgekehrt gibt es aber Mitglieder in der Linkspartei, denen die Zugeständnisse von Elif Eralp an die beiden Koalitionspartner viel zu weit gehen. Dies gilt nicht nur beim Thema Antisemitismus, sondern auch, was die Enteignung von Wohnungskonzernen und die Stärkung von Polizei und Verfassungsschutz anbelangt. Noch ist unklar, ob eine Mehrheit der Delegierten beim Parteitag der Linken am Wochenende für Koalitionsverhandlungen stimmen. Wie wird der Mitgliederentscheid der Berliner SPD ausfallen? Hat das Bündnis überhaupt noch eine Chance oder ist das Experiment erledigt, bevor es sich beweisen kann? * Jörg Diehl, NDR, WDR, SZ Jörg Diehl leitet seit Januar 2026 die Recherchekooperation des Norddeutschen Rundfunks, Westdeutschen Rundfunks und der "Süddeutschen Zeitung" (NDR/WDR/SZ). Zuvor arbeitete er fast 20 Jahre lang für den "Spiegel", zuletzt als Ressortleiter Deutschland und Koordinator Investigativ. Er studierte Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft und volontierte im Norddeutschen Rundfunk. Als Co-Autor schrieb er die "Spiegel"-Bestseller "Rockerkrieg" (2013) und "Undercover" (2020). * Christoph Hickmann, DER SPIEGEL Christoph Hickmann, Jahrgang 1980, leitet das SPIEGEL-Hauptstadtbüro. Seit 2006 arbeitet er als politischer Journalist und beobachtet seit 2009 das Geschehen in der Hauptstadt. Seine journalistische Laufbahn begann er bei der Süddeutschen Zeitung, für die er aus Berlin vor allem über die SPD und sicherheitspolitische Themen schrieb, bevor er 2018 zum SPIEGEL wechselte. * Anna Lehmann, taz Anna Lehmann studierte Politik und Journalistik in Breslau und Leipzig. 2004 bis 2005 absolvierte sie ein Volontariat bei der taz.die tageszeitung. Sie arbeitete danach zunächst im Ressort Inland, später als zuständige Korrespondentin für die Linkspartei im Parlamentsbüro der taz. Ab 2018 leitete sie das Inlandsressort gemeinschaftlich. Im Jahr 2022 übernahm sie die Leitung des Parlamentsbüros der taz mit den Schwerpunkten SPD und Kanzleramt. 2016 veröffentlichte sie das Buch "Zur Elite bitte hier entlang: Kaderschmieden und Eliteschulen von heute". * Laura Block, Table.Briefings Laura Block ist Hauptstadt-Korrespondentin für den Newsletter Berlin.Table von Table.Media. Sie studierte Politik, Publizistik und Kulturmanagement in Wien und Berlin und absolvierte anschließend ein Volontariat bei Axel Springer. Im Anschluss arbeitete sie von 2021 bis 2025 als Redakteurin bei The Pioneer. Seit November 2025 berichtet sie für Table.Media über die SPD und das Bau- und Verkehrsministerium.